Samstag, 1. Juni 2013

[Anleitung] Fotoalbum

Neben den "normalen" (Schreib-)Büchern kann man in der Buchbinderei noch einiges machen. Habe ich hier schon beschrieben, wie man einen Kasten herstellen kann, so möchte ich heute beschreiben, wie man ein Fotoalbum bindet.

Was benötigt man für ein Fotoalbum?

  • (Foto-)Karton (in meinem Beispiel in Chamois mit einem Flächengewicht von 300g/m²)
  • Lineal
  • Cutter
  • Falzbein
  • eventuell Vorsatzpapier
  • Shirtinggewebe (wenn mit Vorsatzpapier gearbeitet werden soll)
  • Ahle
  • Buchbindernadel
  • Buchbinderzwirn (für die stärkeren Kartonlagen empfielt sich auch ein starkes Zwirn, im Beispiel wird Leinenzwirn der Stärke 18/3 verwendet)
  • Leinenstreifen für die Heftung
  • (Leim-)Pinsel
  • Lumbeckleim
Zusätzlich wird noch das Material benötigt, das man für die gewünschte Einbandart braucht. Dieses ist bei der entsprechenden Anleitung aufgeführt.

Ein Buchblock für ein Fotoalbum erfordert etwas mehr an Vorbereitung, als dies beim Buchblock für das Notiz- oder Schreibbuch der Fall ist. Zunächst wird der Fotokarton so zugeschnitten, dass er doppelt so breit und genauso hoch ist, wie der fertige Buchblock werden soll. Beim Fotoalbum mit diesem dicken Karton nimmt man pro Heftlage nur zwei Bögen Karton. Zu den Bögen für die Heftlagen schneidet man am besten zwei oder drei zusätzliche Bögen zu (zumindest auf die gleiche Höhe). Nun werden die Bögen in der Mitte gefalzt. Dazu legt man erst Ecke auf Ecke. Dann falzt man erst mit der Hand vor und streicht den Falz dann mit dem Falzbein zweimal glatt. Würde man direkt mit dem Falzbein falzen, so würden man beim Fotokarton unschöne Falten entstehen. Hat man für jede Heftlage zwei Bögen gefalzt, dann nimmt man sich die übrig gebliebenen Bögen zu Hand, falzt sie einmal in der Mitte und falzt sie dann im Zick-Zack zu einer Art "Ziehharmonika".


Jeden dieser doppelten Winkel schneidet man nun etwa 1,5 bis 2cm vom Falz entfernt ab. Am besten geht dies mit einem Hebelschneider mit Längenanschlag, aber auch mit Lineal und Cutter kann man schöne Ergebnisse erzielen. Die Breite kann auch durchaus minimal variieren.

Nun nimmt man sich einen gefalzten Bogen, steckt den oben zugeschnittenen Winkel aus zwei Kartonlagen auf dessen Falz und steckt einen zweiten Bogen darüber um so eine komplette Heftlage zu erhalten.


Diese Winkel dienen beim fertigen Album dazu, die Dicke der Fotos auszugleichen, sodass dieses nicht zum Schnitt hin auffächert und der Rücken nicht bricht.

Um das Aufschlagverhalten des fertigen Fotoalbum zu verbessern, sollte man insbesondere bei kleineren Formaten mit dem Lineal und dem Falzbein parallel zum Falz und etwa 5 mm von diesem entfernt zwei bis drei Rillen in den Fotokarton eindrücken.


Die fertigen Heftlagen sehen dann in etwa so aus.


Die Weiterverarbeitung verläuft nun wie in der Anleitung zur Herstellung eines Buchblocks in Fadenheftung beschrieben. Wünscht man Vorsatzseiten, dann setzt man diese wie dort beschrieben an. Dann werden die einzelnen Heftlagen zu einem Buchblock geheftet, was auch in der Anleitung zum Buchblock genauer beschrieben ist. Bevor man jedoch nach dem Heften nach der bereits bekannten Anleitung weiterarbeiten kann, muss man noch einen Zwischenschritt einfügen. Damit der Buchblock am Rücken in etwa gleich dick ist, wie am Schnitt, steckt man Kartonstücke, die etwas größer als die Seiten sind, an den Stellen mit den "Abstandhaltern" zwischen die Seiten. Von der Dicke her sollte man keinen Absatz mehr fühlen können, wenn man mit dem Finger vom Rücken zum Buchschnitt über die oberste Seite streicht.


Nun arbeitet man den Rest der Anleitung für den Buchblock ab und erhält dann den fertigen Block für ein Fotoalbum. Die zusätzlichen Blätter lässt man im Block, bis man das fertige Album am Ende aus der Presse entnimmt. Für die Weiterverarbeitung stehen einem die gleichen Möglichkeiten offen, wie bei anderen Büchern auch. Man kann also eine Halbdecke, eventuell auch mit leinenbezogenen Buchecken, oder auch eine Ganzdecke anfertigen. Die jeweilige Bearbeitung verläuft ganz genau so, wie in den verlinkten Anleitungen beschrieben.

Wenn das fertige Album aus der Presse entnommen wird, dann entnimmt man noch die zusätzlichen Papier- oder Kartonlagen und hat dann ein selbstgemachtes Fotoalbum in Händen. Es folgen noch ein paar Bilder vom fertigen Beispiel.

Auf dem folgenden Bild sieht man mein Beispiel mit einem Halbleineneinband, der mit einem schönen blauen Batikpapier bezogen ist, das mit silbernen Ranken bedruckt ist.


Auf dem nächsten Bild ist das Kapital des Fotoalbum mit blau-weiß gestreiftem Kapitalband zu sehen. Auch sieht man schön die Kartonstreifen, die beim gefüllten Album die Dicke der Fotos ausgleichen sollen.


Auf dem letzten Foto kann man beim aufgeschlagenen Album noch einmal schön diese Kartostreifen erkennen.


Über Eure Kommentare würde ich mich wie immer riesig freuen. Vielleicht möchte ja auch jemand ein Beispiel seines Schaffens zeigen?

Bis bald.

Der Bücheronkel



Wir freuen uns über Fotos von euren Werken, die ihr mit Hilfe unserer Anleitungen gemacht habt, und würden sie gerne an unsere Pinnwand pinnen. :) Wenn ihr Lust habt, sendet uns dazu einfach euer Foto per e-mail an diebasteltante@sags-per-mail.de oder verratet uns den Link, wo wir euer Foto finden können.

 

Kommentare:

  1. Was für eine schöne Idee, in Zeiten der digitalen Fotographie ein Fotoalbum selbst herzustellen! Das wäre bestimmt den Aufwand wert, statt wie üblich ein Fotobuch online zu erstellen, wobei auch das immer sehr hübsch ist.

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    1. Auch wir fotografieren mittlerweile zu 99.9% digital. Aber ich möchte auf Papierabzüge der schönsten Fotos nicht verzichten, gerade wenn es darum geht, sich an ein großes Ereignis oder auch einen Urlaub zu erinnern. Gerade ein Fotoalbum finde ich dann besonders schön. Zwar sind Fotobücher auch eine schöne Sache, aber ich bevorzuge das Fotoalbum. Zum einen ist es eben so richtig schön Old-School und zum anderen, halten industriell gefertigte Bücher durch die Verwendung von Schmelzkleber oft nicht so gut, wie handwerklich gefertigte, sodass ich meinen Fotoalben durchaus ein Mehr an Haltbarkeit zutraue.

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  2. Wunderschöne "Handarbeit"! Danke für die gute Anregung und Anleitung.
    Gruß Ina

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  3. Ein tolle Anleitung. Vielen Dank dafür! Für meinen "Nachbau" hätte ich noch Fragen dazu: könnte man den Buchblock auch aus einzelnen Fotokartonlagen fertigen, wobei die Außenseiten der Heftlagen miteinander verleimt sind und die Fotos bereits auf den Innenseiten der Heftlagen aufgezogen bzw. kaschiert sind? Ich hatte überlegt dafür ein Büttenpapier auf die Innenseite einer Heftlage zu kleben und an den Positionen der Fotos quasi passe-par-tout-Löcher zu schneiden. Dann dürfte halt nur beim Anfertigen des Buchblocks nix mehr schief gehen. Ist das zu waghalsig oder ein gangbarer Weg?
    Gruß Andreas

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    1. Erstmal danke für das Kompliment. Die Idee mit den einzelnen Fotokartonlagen funktioniert grundsätzlich schon. Zum Heften ist es sinnvoll nicht nur die Außenseiten zu verleimen, sondern von einer der beiden Seiten, die nachher zusammen einen Bogen bilden sollen, einen 3 bis 5mm Streifen umzufalzen und diesen auf die andere Lage aufzukleben, dann erhält man gut zu verarbeitende Heftlagen. Die Idee mit den Passpartout-Löchern im Bütten ist schön. Dabei ist allerdings peinlichst auf die Laufrichtung zu achten. Gangbar ist der Weg in jedem Fall, obe er zu waghalsig ist, kann man letztlich nur für sich selbst beurteilen. Ich würde mir diese Variante jedenfalls zutrauen und denke auch, dass man das auch als fortgeschrittener Anfänger hinbekommen kann. Das Anfertigen der Heftlagen würde ich allerdings erst mit einem einfachen Papier üben.
      Gruß, der Bücheronkel

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  4. Vielen Dank für die Tips! Mir ist nur nicht ganz klar weshalb man auf die Laufrichtung (und welche Laufrichtung?) achten muss. Ich wollte Bögen von A3+ verwenden, damit die einzelnen Seiten es etwas breiter als A4 werden und einen Bogen Bütten komplett auf eine Heftlage aufbringen. Da hätte ich ja quasi nur eine Möglichkeit den Bogen aufzukleben oder übersehe ich hier etwas?
    Gruß,
    Andreas

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    1. Hallo Andreas, wenn man Bücher bindet, sollte man die Laufrichtung des Papiers immer parallel zum Buchrücken verarbeiten. Wie man die Laufrichtung herausfindet, ist z.B. hier sehr anschaulich erklärt: http://prettyorganized.de/2014/07/15/wie-laufts-denn/
      Wenn man das nicht beachtet, ist es oft abhängig vom Papier, ob man Probleme beim Verarbeiten hat und ob man es als "unschönes" Ergebnis am Ende sieht. Wenn man z.B. den Buchblock komplett entgegen der Laufrichtung faltet, kann es passieren, dass sich das Buch nicht gut zuschlagen lässt, sondern die Seiten gern aufspringen. Wenn man das Buch als Klebebindung verarbeitet und das Papier wird entgegen seiner Laufrichtung verarbeitet, kann es passieren, dass sich das Papier unschön wellt.
      Außerdem lässt sich das Papier je nach Dicke schlecht falten, wenn man nicht auf die Laufrichtung achtet, und der Falz sieht am Ende sehr unschön aus.

      Bei DinA3 ist die Laufrichtung im Normalfall Breitbahn, d.h. wenn du das Papier quer nimmst und in der Mitte faltest, hast du es gleich richtig mit der Laufrichtung gefalzt.

      Ich hoffe, ich konnte dir damit ein bisschen weiterhelfen. Mir war das am Anfang mit der Laufrichtung auch nicht ganz klar, am besten ist es, wenn man es ausprobiert und experimentiert, und dann sieht man am Ende, was herauskommt. So bekommt man am besten ein Gefühl dafür. :)

      LG, Gerdi

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  5. Hallo,
    Sieht natürlich klasse aus, aber ist auch viel Aufwand und Arbeit..
    lg

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    1. Hallo,

      das stimmt schon, mit der Arbeit und dem Aufwand, deshalb wird sowas heute ja auch meist maschinell gefertigt. Hier geht es darum, dass man etwas selbst gemacht hat, und da ist der Aufwand und die Arbeit zweitrangig. Das sollte ein eventuell Beschenkter aber dann auch so sehen. Ein weiterer Vorteil gegenüber der industriellen Fertigung ist dann natürlich die Exklusivität, denn ich alleine bestimme, wieviele Exemplare es von diesem Album gibt. Da sie in Handarbeit entstehen, unterscheiden sich die einzelnen Bücher einer "Kleinserie" auch nochmal minimal voneinander. Ist also auch eine Frage der Individualität.

      LG, Eric

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  6. Hallo!
    Vielen Dank für die ausführliche und gute Anleitung!!!
    Vor ein paar Wochen habe ich nach dieser Anleitung selbst ein Fotoalbum gebunden. Mein erstes Buch überhaupt. Und es hat sehr gut geklappt. Hier und da hat das Ergebnis zwar ein paar kleine "Schönheitsfehler" die von einem perfekten Produkt abweichen aber mich nicht weiter stören. Mit ein bisschen Übung bekomme ich den Dreh da auch noch raus.
    Allerdings hatte ich mir bei diesem Buch auch in den Kopf gesetzt die einzelnen Seiten, wie bei einem gekauften Fotoalbum, mit Spinnenpapier voneinander zu trennen, damit die eingeklebten Fotos nicht aneinander kleben können. Dazu habe ich auf den Seiten mit den zwischenliegenden Kartonlagen das Spinnenpapier einfach zwischen die beiden kurzen Abschnitte geklebt, was auch gut ging. Auf allen anderen Seiten war ich etwas überfragt, wie ich das Papier noch gut dazwischen bekomme und bin mit der Lösung einfach einen Leimstreifen ganz an den inneren Rand des Albums zu Pinseln und dort das zusätzliche Papier einzukleben nicht ganz zufrieden. Gibt es dafür eine elegantere Lösung? Könnte ich das Spinnenpapier einfach mit zwischen die Seiten heften? Wie würde man das dann aber zwischen den Lagen und in der Mitte einer Lage machen? Oder ist das Papier, wenn man es zwischenheftet ohnehin zu reißanfällig, da es viel dünner als der Fotokarton ist?
    Über eine Idee würde ich mich sehr freuen!

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    1. Hallo,

      entschuldige die verspätete Antwort! Falls du überhaupt noch einmal hier herkommst und das liest...

      Zu deiner Frage mit dem Spinnenpapier - leider haben wir selbst noch kein Spinnenpapier verarbeitet, daher kann ich nicht sagen, was die eleganteste oder beste Lösung ist. Ich bin nicht sicher, wie gut sich das Spinnenpapier heften lässt oder ob es zu anfällig ist und evtl. reißt.
      Wählt man wie du die Variante mit dem Einkleben des Spinnenpapiers, könnte ich mir vorstellen, dass dies gut mit Filmoplast zu bewerkstelligen ist. Filmoplast gibt es in verschiedenen Stärken und ist eigentlich ein Reparaturband, mit dem man z.B. eingerissene Stellen oder herausgefallene Seiten reparieren kann. Es ist säurefrei und alterungsbeständig und fällt kaum auf.

      Das wären so meine Gedanken dazu, aber genau kann ich es nicht sagen. Falls du das hier doch noch liest und zwischenzeitlich eine Lösung für dein Problem gefunden hast, würde ich mich freuen, von dir zu lesen. :)

      Liebe Grüße,
      Gerdi

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  7. Hallo,
    Das ist wirklich eine sehr schöne Idee und ich bin gerade am Nachbasteln.
    Ich hätte allerdings ein/zwei Fragen zur Verarbeitung.
    1.) Die Winkel die ich für die Heftlagen einsetze, sind dann nur auf jeder zweiten seite zu sehen, oder? und wie funktioniert das dann mit dem Heften? Steche ich die Löcher, dann durch die Heftlage inkl. Zwischenpapier? Dann muss ich wahrscheinlich alle Heftlagen mit der Ahle vorstechen, oder?
    2.) Welche Alternativen gibt es zu Buchbinderleinen? Oder hast du einen Tipp, wo ich in Wien so etwas kaufen kann?

    Ganz liebe Grüße,
    Lisa

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  8. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. Hallo Lisa,

      ich antworte mal nur auf deinen zweiten Kommentar, die Fragen sind ja an sich gleich. :)

      1. Richtig, die Winkel, die du zwischen die zwei Seiten legst und somit eine Lage bildest, wirst du am Ende nur in jeder zweiten Seite im Album sehen. Das reicht auch im Normalfall.
      Da die Winkel zur Lage dazu gehören, werden sie auch durchstochen beim Heften, das ist richtig. Wenn du sehr festes Papier oder gar Fotokarton für die Seiten verwendest, solltest du die Löcher zunächst mit einer Ahle vorstechen, da man mit der Nadel alleine kaum durchkommen wird.

      2. Da ich noch nie in Wien war, kann ich dir nicht sagen, wo man in Wien Buchbinderleinen kaufen kann. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass es in so einer großen Stadt sowas nicht zu kaufen gibt. Vielleicht bemühst du einfach mal google, oder stöberst mal in Bastel-, Papier- oder Künstlerbedarf-Läden. Vielleicht alternativ bei einer Buchbinderei fragen, ob die einen Tipp haben. Zuletzt könnte man natürlich auch über das Internet bestellen, was natürlich wegen des Versands mit Mehrkosten verbunden ist, sich aber vielleicht lohnt, wenn man weiß, dass man häufiger Bücher binden wird, denn eine Alternative zu Buchbinderleinen gibt es kaum. Man könnte entweder selbst Baumwoll- oder Leinenstoff mit Papier kaschieren, das ist aber wieder mit Aufwand und dem richtigen Material verbunden. Oder die andere Möglichkeit wäre, statt Buchbinderleinen Papier für den Buchrücken zu verwenden. Das sollte ein strapazierfähiges Papier sein wie z.B. Elefantenhaut, vielleicht wäre auch Lederpapier geeignet, allerdings kann ich hier keine Erfahrungswerte weitergeben.

      Ich hoffe, das hat dir weiter geholfen. Ich würde mich freuen, dein fertiges Buch zu sehen. :)

      Liebe Grüße,

      Gerdi

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