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Donnerstag, 1. März 2018

[Anleitung] Koptische Bindung - Reloaded

Vielleicht fragt ihr euch: wieso gibt es zwei Anleitungen für eine koptische Bindung hier im Blog? Lange habe ich überlegt, ob und wie ich die bereits vorhandene Anleitung (verfasst vom Bücheronkel) ergänzen könnte, um meine neu gewonnenen Erkenntnisse mit euch zu teilen, doch mir schien es am einfachsten, eine eigene, neu aufgelegte Anleitung zu schreiben. Denn häufig wurde ich schon gefragt, wie man denn eigentlich das schöne Zopfmuster der koptischen Bindung nicht nur bei den mittleren Strängen erhält, sondern auch bei den ganz äußersten?

Beispiele: Zopfmuster auch an der äußeren Reihe mit Hilfe der hier gezeigten Anleitung

Beispiele: kein gleichmäßiges Zopfmuster an der äußersten Reihe nach der "alten" Anleitung
Lange wusste ich darauf auch keine Antwort, doch nachdem ich zuletzt einige Bücher mit der koptischen Bindung gebunden habe und mir Anregungen im Netz gesucht hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Hier möchte ich nun zeigen, wie man eine weitere mögliche Variante für eine koptische Bindung herstellen kann.

Sollte in meiner Anleitung der eine oder andere unbekannte Begriff dabei sein, könnt ihr ja mal in unserem Glossar vorbeischauen. Da haben wir viele spezifische Wörter rund um's Buchbinden schon erklärt. Und falls doch noch etwas unklar bleibt, freue ich mich über eure Fragen in den Kommentaren.

Koptische Bindung

Man nehme:
Papier für den Buchblock
(hier: 32 Blatt graues Skizzenpapier 120 g/m², 10,5 x 14 cm)
Graupappe 1,5 bis 2 mm dick
(Motiv-)Papier zum Einbinden und Kaschieren der Buchdeckel
Buchbinderzwirn, Garn, o.ä. (nicht dicker als ca. 1 mm)
Buchbinderleim, z.B. Elasta N
Ahle
Buchbindernadel
Lineal
Cutter
Falzbein


Das Vorgehen:

Schritt 1: Zunächst müssen die Buchdeckel und das Papier für den Buchblock vorbereitet werden. Da dies hier im Blog bereits gezeigt und erklärt wurde, verweise ich der Einfachheit halber auf die ersten Absätze der Anleitungen für die koptische Bindung bzw. für diese kombinierte Variante.
Für die hier gezeigte Anleitung habe ich meine Buchdeckel auf die selbe Größe geschnitten wie die Papierlagen, anschließend bezogen und über Nacht beschwert zwischen Brettern trocknen lassen.

Bei der hier gezeigten Variante der koptischen Bindung spielt es keine Rolle, wieviele Löcher gestochen werden oder ob die Anzahl der Löcher gerade oder ungerade ist - wichtig ist nur, dass die Papierlagen und die Buchdeckel die gleiche Anzahl an Löcher haben.

Vorbereitete Lagen und Buchdeckel
hier: 8 Lagen (je 4 Blatt), 5 Löcher
Schritt 2: Achtet darauf, dass ihr nun die vorbereiteten Buchdeckel und Papierlagen ordentlich übereinander gestapelt bereit legt. Das macht die Übersicht einfacher.
Schneidet nun den Faden zu und fädelt ihn durch die Nadel. Für die richtige Länge kann folgende Faustformel helfen:
[Anzahl Lagen + Anzahl Buchdeckel] x [Höhe Buchrücken] + [3 x Höhe Buchrücken]

In meinem Beispiel wäre das:
Anzahl Lagen = 8, Anzahl Buchdeckel = 2, Höhe Buchrücken = 10,5 cm
(8+2) x 10,5 cm + 3 x 10,5 cm = 136,5 cm
So genau muss man das nicht berechnen, lieber etwas mehr Faden haben als zu wenig, wobei auch zu wenig kein Weltuntergang wäre. :) Ich messe den Faden immer grob entlang des Buchrückens ab, so oft wie ich eben Lagen und Buchdeckel habe, plus zwei bis drei Längen extra als Sicherheit.

Schritt 3: Nun nehmt ihr den obersten Deckel und legt ihn mit der Außenseite nach unten an den Tischrand vor euch hin, die Löcher zeigen zu euch. Wenn ihr nun die erste Papierlage aufnehmt, um sie darauf zu legen, müsst ihr sie genauso wenden wie den Buchdeckel.
Wenn euch das hilft, könnt ihr vorher mit Bleistift eine kleine Markierung auf allen Lagen machen, z.B. immer in der rechten oberen Ecken, damit die Lagen immer in der gleichen Orientierung gedreht werden.

innen Faden stehen lassen
Jetzt beginnen wir mit dem Heften beim 1. Loch der ersten Lage und führen den Faden von innen nach außen. Der Faden wird ganz durchgezogen, ihr solltet aber innen 5-10 cm zum späteren Verknoten stehen lassen. (Solange das noch nicht verknotet ist, aufpassen, dass man den Faden nicht rauszieht. Am besten mit einer Hand festhalten.)



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a. Nun führen wir den Faden von außen nach innen durch das 1. Loch im Buchdeckel, ganz durchziehen.
b. Mit der Nadel hinter dem Faden, der nun um den Buchdeckel liegt, vorbei, aber noch nicht ganz fest ziehen.
c. Eine kleine, offene Schlaufe lassen und den Faden durch die Schlaufe führen.
d. Den Faden straff ziehen, dadurch entsteht ein Knoten. Zum Schluss mit der Nadel zurück durch das Loch der Lage, aus dem der Faden anfänglich gekommen ist.
Achtet dabei darauf, dass ihr nicht durch den Faden, der aus dem Loch herauskommt, durchstecht, sondern daran vorbei.

Schritt 4: Der Faden wird nun weiter durch das 2. Loch geführt. Im Prinzip verfahren wir nun mit allen Löchern dieser Lage / Buchdeckel wie in Schritt 3.
Bevor wir weiter arbeiten, können wir den Faden, den wir am ersten Loch innen in der Lage haben stehen lassen, noch zweimal verknoten:

Verknoten, ein zweites Mal wiederholen

Schritt 5
Schritt 5: Wenn wir beim letzten Loch der ersten Lage angekommen sind und wie oben gezeigt den Knoten gemacht haben, führen wir den Faden nicht wie zuvor zurück durch das Loch der gleichen Lage, sondern wir nehmen die zweite Lage auf und führen den Faden durch das vorgestochene Loch dieser neuen Lage.


Schritt 6: Als nächstes führen wir den Faden wieder beim nächsten Loch hinaus und verknoten wieder ähnlich wie oben:

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a. Aus dem Loch herausstechen.
b. Der Faden muss hinter dem Knoten der Lage darunter vorbeigeführt werden, das geht am einfachsten, wenn man mit der Nadel neben dem Knoten unter dieser Lage hineingeht.
c. Am besten das Buch aufklappen, um die Nadel auf der anderen Seite neben dem Knoten wieder herausführen zu können.
d. Nadel auf der anderen Seite neben dem Knoten wieder herausziehen, noch nicht ganz straff ziehen.
e. Den Faden zuerst noch durch eine kleine offene Schlaufe führen, dann den Knoten festziehen.
f. Mit der Nadel zurück durch das Loch stechen, aus dem zuvor der Faden heraus kam - daran denken: am Faden vorbei stechen, nicht hindurch.

So bearbeiten wir die zweite Lage weiter Loch für Loch bis zum Ende. Wie in Schritt 5 nehmen wir die dritte Lage auf, um den Faden an jedem Loch wie in Schritt 6 zu verknoten. Auch die vierte Lage bearbeiten wie zuvor, mit einem kleinen Unterschied:

Schritt 7: Sind wir nun am letzten Loch der 4. Lage angelangt, müssen wir ab jetzt immer bei den äußeren Löchern zweimal verknoten, damit auch in dieser Reihe ein Zopfmuster entsteht: Die Knoten werden genauso ausgeführt wie bereits gezeigt, der Unterschied zu vorher ist nur, dass der erste Knoten direkt an der Lage darunter ausgeführt wird (a + b), der zweite Knoten noch eins tiefer (c + d), ich zeige das kurz:

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Schritt 8: So fügen wir alle weiteren Lagen Stück für Stück wie oben beschrieben hinzu. Der Trick für ein Zopfmuster an den äußersten Reihen ist, ab der 4. Lage am letzten Loch immer zweimal  wie in Schritt 7 zu verknoten. Ich gebe zu, dass das Zopfmuster nicht ganz so schön wird wie an den inneren Reihen, aber schon sehr viel besser als mit der "alten" Methode.

Schritt 9: Sind wir bei der letzten Lage beim letzten Loch angelangt und haben wie gewohnt verknotet, wird nun der Buchdeckel noch befestigt:

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a. Wir stechen von außen nach innen durch das Loch im Buchdeckel.
b. Den Faden zwischen der letzten Lage und der darunter hinter dem Knoten vorbeiführen.
c. Wie gewohnt durch eine offene Schlaufe führen und straff ziehen. Zurück durch das Loch der letzten Lage, aus dem der Faden ursprünglich kam und weiter zum nächsten Loch.
Genauso befestigen wir den Buchdeckel auch an den anderen Löchern.

Schritt 10: Fast geschafft - nachdem das Ende unseres Fadens wieder im Buch ist, verknoten wir diesen noch wie oben bei Schritt 4 bereits gezeigt. Zum Schluss wickele ich den Faden immer noch ganz gern bis oben um die Fäden, damit nicht einfach nur ein kleines Stück absteht:



Fertig ist euer Buch mit koptischer Bindung, das nun auch an den äußeren Reihen hoffentlich ein Zopfmuster haben sollte! :)

Buch mit koptischer Bindung


Buch mit koptischer Bindung


Zum Schluss noch ein paar wichtige Tipps:
1. Damit ein gleichmäßiges Zopfmuster entsteht, ist es wichtig, den Faden immer aus derselben Richtung hinter den Knoten vorbeizuführen, z.B. immer von der linken Seite.

2. Der Faden sollte immer straff gezogen werden, nachdem er durch ein Loch geführt wurde, aber nicht zu fest. Ein Gefühl dafür bekommt man mit Übung und Erfahrung. :)

3. Die Schlaufe, durch die der Faden beim Verknoten immer gezogen wird, sollte offen sein, d.h. nicht noch in sich verdreht oder Ähnliches:


4. Für ein schönes Ergebnis sollte das verwendete Garn oder Zwirn nicht zu dünn sein. Es kann auch sein, dass bei nicht ganz so dickem Garn wie hier vielleicht schon bei der 3. Lage am äußersten Loch doppelt verknotet werden muss, mit der Übung bekommt man ein Auge dafür.

5. Falls euer Faden nicht reicht bis ganz zum Ende, ist das gar nicht schlimm. Lasst ihn innen an einem Loch der betroffenen Lage ein Stück überstehen. Fädelt euch neuen Faden auf und macht beim nächsten Loch weiter. Innen könnt ihr entweder die beiden losen Enden miteinander verknoten, oder ihr verknotet jedes Ende einzeln wie oben in Schritt 4.

6. Noch einfacher kann man den Faden hinter den Knoten vorbeiführen, wenn man eine gebogene Nadel verwendet.

7. Üben, üben, üben... Je mehr man übt, desto gleichmäßiger werden die Knoten am Buchrücken. :) Ich muss auch noch ein bisschen mehr üben. :D

Ich hoffe, meine Anleitung zur koptischen Bindung war verständlich und hat euch gefallen. Falls ihr noch mehr Anregungen braucht, findet ihr noch mehr Anleitungen zum Buchbinden in unseren Tutorials. Es gibt außerdem auch die Möglichkeit, die hier gezeigte Variante mit der "alten" Variante zu kombinieren, falls euch z.B. die einfachen Schlingen am Buchrücken besser gefallen. Ich bin gespannt, was ihr ausprobiert, und freue mich über Rückmeldungen und Meinungen. :)

Nächste Woche zeige ich euch dann, wie man noch eine weitere Variante für eine koptische Bindung herstellen kann, und zwar mit zwei Nadeln parallel. Der Blogbeitrag zur Technik mit zwei Nadeln ist HIER zu finden.

Wenn ihr Lust habt, dann zeigt mir doch eure fertigen Bücher und ich pinne sie an meine Pinnwand bei Pinterest. :)

Bis bald,
eure Gerdi

Kommentare:

  1. Liebe Gerdi,
    vielen Dank für diese sehr detaillierte Anleitung - ich habe sie mir gleich abgespeichert - zum Ausprobieren komme ich erst später - zu viele angefangene Projekte ;)
    Mit ♡lichen Grüßen von
    Sabine aus WO(rms)

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    1. Das freut mich zu hören. Ich bin gespannt, was du berichten wirst. :)
      LG, Gerdi

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  2. Das sieht sehr sehr schön aus, ich werde es baldmöglichst ausprobieren und weiterverbreiten. Vielen lieben Dank fürs Tüfteln und Teilen... eins noch: warum machst du die koptische Bindung nicht mit einer gebogenen Nadel, das finde ich viel einfacher.
    Liebe Grüße
    Michaela

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    1. Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen - natürlich habe ich doch vergessen dir einen Kommentar zu schreiben, dass die Anleitung jetzt online ist.

      Das ist eine gute Frage mit der Nadel. Es liegt schlichtweg daran, dass ich keine gebogene Nadel besitze und bisher keine gekauft habe. Mein Buchbinderladen vor Ort hat nur die geraden Nadeln. xD Wäre aber eigentlich mal eine sinnvolle Anschaffung.
      Liebe Grüße, Gerdi

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  3. Ach wie fein, Du hast es ausgetüftelt :D Deine Methode ist spannend und ich versuche sie demnächst nachzumachen. Ich habe auch lange herumprobiert, bin aber etwas anders ausgekommen, funktioniert auch. Nur so eine detaillierte Anleitung habe ich immer noch nicht gemacht. Danke für's Zeigen und Grüße von Annette

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    1. Deine Variante, einfach in jeder Lage einen separaten Faden zu verwenden ist auch eine gute Idee, wenn man nicht zu faul ist, immer zu verknoten. :D

      Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen.

      Liebe Grüße, Gerdi

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  4. Liebe Gerdi,
    Vielen Dank für diese tolle Anleitung, habe gerade mein erstes Büchlein in koptischer Bindung gebunden :)
    Jetzt habe ich aber noch eine Frage: das Buch bleibt nicht zu, sondern springt immer auf. Gegt das weg wenn man es beschwert/presst, sind die Seiten evtl nicht stark genug gefalzt (habe Aquarellpapier verwendet) oder ist es wie bei anderen Fadenbindungen, dass ich den Faden zu fest gezogen habe?
    Vielen Dank schonmal ;)
    Liebe Grüße,
    Xenia

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  5. Liebe Gerdi,
    Vielen Dank für die tolle Anleitung!
    Ich habe gerade mein erstes Büchlein in koptischer Bindung fertig.
    Jetzt bleibt nur eine Frage:
    Das Buch bleibt nicht geschlossen sondern springt direkt auf, sobald ich es loslasse. Woran kann das liegen?
    Ist das Papier zu wenig gefalzt, muss man das fertige Buch noch pressen oder ist vielleicht der Faden zu fest?
    Vielen Dank schon mal!
    Liebe Grüße,
    Xenia

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    1. Liebe Xenia,

      bitte entschuldige meine verspätete Antwort. Aus mir nicht erklärlichen Gründen bekam ich keine Mailbenachrichtigung, dass ein neuer Kommentar abgesendet wurde und ich habe in letzer Zeit etwas seltener rein geschaut.

      Zu deiner Frage: Dass das Buch aufspringt, ist für die koptische Bindung oft typisch. Das kann an verschiedenen Faktoren liegen. Zum einen spielt auf jeden Fall eine Rolle, wie fest der Faden gezogen wurde. Je fester, desto mehr springt das Buch auf. Zu locker sollte man die Bindung trotzdem nicht machen, hier gilt es, Erfahrung zu sammeln. Außerdem kann das Aufspringen des Buches begünstigt werden, je kleiner das Buch ist, weil die Seiten weniger Gewicht mitbringen, die alles unten halten würden. Und ein weiterer Punkt: die Laufrichtung. Falls man das Papier entgegen der Laufrichtung verarbeitet hat, kann dies auch dazu beitragen, dass das Buch aufspringt.

      Ich kann dich beruhigen, bei meinen Büchern ist dies auch meistens der Fall, sofern sie eher klein sind. Bei größeren Büchern ist es nicht ganz so extrem, wenn die Bindung nicht zu fest ist.

      Ich hoffe, das hilft dir weiter. Ansonsten einfach üben, üben, üben... :)

      Liebe Grüße,
      Gerdi

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